Geschichte der GUG

© Siemens Historical Institute
Die Unternehmensgeschichte kann in einer fragilen Welt Identität stiften, Orientierung bieten und das Vertrauen rechtfertigen, Probleme in den Griff zu bekommen. Die Beschäftigung mit Geschichte ist keine Anekdotensammelei. Unternehmensgeschichte haucht der Unternehmenskultur Leben ein, beflügelt die Strategieentwicklung und ist ein Ideenfundus erster Güte.

Sybille Schwarz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juli 2010

Die Gründung

Am 10. Juni 1976 wurde die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. in Köln gegründet. Gründungsmitglieder waren die August Thyssen-Hütte AG, Christian Adalbert Kupferberg AG, Daimler Benz AG, Deilmann AG, Deutsche Bank AG, Kamax AG, Hamburg-Mannheimer Versicherung AG, Henkel AG, Hoesch Werke AG, Karstadt AG, Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Mannesmann AG, Robert Bosch GmbH, Siemens AG und Taylorix. Die Gründungsversammlung wählte Prof. Wilhelm Treue zum ersten Vorsitzenden des Vorstandes und Prof. Hans Pohl zum ersten Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats.

Von Anfang an bestand in der GUG eine enge Kooperation zwischen Unternehmen und Wissenschaft. Zwei Motive trieben die Gründer an: einmal galt es, die «Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie» zu übernehmen, da der Verlag drohte, sie einzustellen. In ihrem 22. Jahrgang wechselte die Zeitschrift Namen und Verlag und erschien 1977 beim Franz Steiner Verlag unter dem Titel «Zeitschrift für Unternehmensgeschichte»
. Nach weiteren 20 Jahren wechselte die ZUG zum C.H. Beck Verlag, von dort 2017 zu Walter DeGryuter. Mit der Zeitschrift wechselten jeweils auch die Beihefte bzw. die Schriftenreihe den Verlag.

Dies war der Wunsch der Wissenschaft. Die Unternehmer wiederum bauten darauf, dass durch ordentliche Forschung das negative Image des Unternehmers korrigiert werden könne. Hierzu wurden die Öffentlichen Vortragsveranstaltungen
der GUG und das jährliche Wissenschaftliche Symposium
ins Leben gerufen. Nach einem Jahrzehnt startete die GUG mit ersten Projekten - einer Zwangsarbeiterstudie bei Daimler Benz - sowie dem Aufbau dreier Archive (Oetker, Opel und R&V).

Wandel und Aufbruch

Der Durchbruch der GUG erfolgte jedoch in den 1990er Jahren, wo zunächst die Mitgliedschaft für Privatpersonen ermöglicht wurde. Im Anschluss wurde das Angebot an die Wissenschaft erweitert, indem der erste Arbeitskreis der GUG ins Leben gerufen wurde (Arbeitskreis Bankengeschichte
). Diesem Arbeitskreis folgten weitere (Verkehrsgeschichte, Medienunternehmen, Rolle der Unternehmen im Nationalsozialismus, Versicherungsgeschichte, Marketinggeschichte
und Familienunternehmen
). Ergänzt wurden diese zunehmend von kleineren Workshops, die einen Austausch zu Einzelfragen ermöglichten.

Die GUG startete eine Initiative ihr Netzwerk international auszubauen. Nach mehreren Anläufen gelang es ihr, in die International Association for Economic History (IAEH) aufgenommen zu werden. Über die Geschäftsführung der GUG wird seit 2005 eine enge Zusammenarbeit mit der European Business History Association (EBHA) gepflegt. Durch die Ausrichtung verschiedener internationaler Tagungen - 2004 die Jahrestagung der EBHA in Frankfurt, 2014 die Jahrestagung der Business History Conference (BHC) und die erste Weltkonferenz für Unternehmensgeschichte (World Conference for Business History) - erhielt die GUG internationale Anerkennung. Eine gemeinsame Konferenz mit der britischen Association for Business History (ABH) folgte in Berlin 2016. Im Jahr 2018 wird dem eine gemeinsame Tagung mit der japanischen Gesellschaft (Japanese Society for Business History) in Frankfurt folgen.

Im Bereich der Auftragsforschung waren die 1990er Jahre ein entscheidender Schub. Neben die klassischen, meist jubiläumsgetriebenen Unternehmensgeschichten traten nun die Sonderstudien zum Dritten Reich. Die GUG selbst richtete ein großes Symposium am Anfang dieser Entwicklung 1997 im ehemaligen IG Farbenhaus in Frankfurt am Main aus. Der Tagungsband wurde als Band 1 unserer Schriftenreihe
beim C.H. Beck Verlag 1998 veröffentlicht. Mit diesem Forschungsschub änderte sich auch das Auftragsverhalten vieler Unternehmen. Eine professionelle Aufarbeitung der Geschichte wurde zunehmend Standard. Auf der anderen Seite wurde Auftragsforschung auch als Möglichkeit der historischen Forschung gesehen. Auch wenn bis heute ein Spannungsfeld im Bereich der Auftragsforschung besteht, hat sie sich doch als nützlich für verschiedene Seiten erwiesen. Die GUG steht für eine aktive Kooperation in diesem Bereich.

Ins 21. Jahrhundert

Seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre führte die GUG eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Forschungsaufträge aus. Seit Mitte der 2010er Jahre rückten auch wieder die Archive in das Tätigkeitsfeld der GUG. Zu beiden Bereichen finden sich weitere Informationen unter der Rubrik GUG mbH
. Seit der Jahrtausendwende verzeichnete die GUG auch ein wachsendes Interesse an ihrer Geschichte seitens der Familienunternehmen. Mit dem Arbeitskreis «Familienunternehmen»
und der Kooperation mit der WIFU greift die GUG diese Trends mit auf.

Schließlich weitete die GUG 2015 ihre Tätigkeiten weiter aus und ist jetzt auch im Bereich der Bildung
aktiv. Einmal mit dem Workshop «Einführung in die Unternehmensgeschichte» mit der Stiftung der deutschen Wirtschaft. Zum anderen arbeitet sie an einem Schulprojekt «GeschichteUnternehmen»
. Die GUG engagiert sich auch stärker in der angewandten Geschichte, indem sie mit dem Netzwerk Unternehmensmuseen
kooperiert, für dieses das Portal «UMO - Unternehmensmuseen Online»
entwickelt und 2012 online gestellt hat. Mit dem Workshop «History Communication»
widmet sich die GUG der historischen Unternehmenskommunikation.

Mit ihrem bis heute seltenen Modell einer engen Kooperation zwischen Wissenschaft und Unternehmen fand die GUG im letzten Jahr einen Nachahmer, insofern sich in Kanada eine historische Gesellschaft (Canadian Business History Association) nach ihrem Vorbild und mit ihrer Unterstützung gründete.

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